Gesundheit und Pflege – Eine starke Gesundheitsversorgung für Österreich
Die Gesundheit ist das höchste Gut einer Gesellschaft. Sie bildet die Grundlage für Lebensqualität, Wohlstand und sozialen Zusammenhalt. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist deutlich geworden, wie wichtig ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, gut ausgebildetes medizinisches Personal und gesellschaftliche Solidarität sind. Die vergangenen Jahre haben aber auch die Schwachstellen unseres Gesundheitssystems aufgezeigt: Personalmangel, lange Wartezeiten, eine zunehmende Zwei-Klassen-Medizin und eine unzureichende Versorgung im ländlichen Raum. Daher braucht Österreich eine umfassende Gesundheits- und Pflegereform, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Pflegeberufe stärken und attraktiver machen
Pflegekräfte leisten tagtäglich einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie betreuen kranke Menschen, begleiten ältere Menschen im Alltag und unterstützen Angehörige in schwierigen Lebenssituationen. Dennoch wird ihre Arbeit oft nicht ausreichend anerkannt – weder gesellschaftlich noch finanziell.
Deshalb braucht es eine grundlegende Reform des Pflegewesens. Pflegekräfte müssen einen deutlich höheren Stellenwert erhalten und bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Dazu gehören eine moderne und qualitativ hochwertige Ausbildung, regelmäßige Fort- und Weiterbildungen sowie attraktive Karriere- und Spezialisierungsmöglichkeiten.
Ebenso ist eine deutliche Verbesserung der Bezahlung notwendig. Das Gehalt von Pflegekräften muss spürbar angehoben werden – als Orientierung sollte eine Verdopplung gegenüber dem Niveau des Jahres 2022 dienen. Eine leistungsgerechte Entlohnung ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch eine entscheidende Voraussetzung, um mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen und erfahrene Pflegekräfte langfristig im Beruf zu halten.
Gleichzeitig muss die Zahl der Pflegekräfte in Österreich deutlich erhöht werden. Nur mit ausreichend Personal kann gewährleistet werden, dass Pflegekräfte wieder mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten sowie Klientinnen und Klienten haben. Pflege darf nicht von Zeitdruck und Personalmangel bestimmt werden, sondern muss von Menschlichkeit, Qualität und persönlicher Betreuung geprägt sein.
Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sichern
Ein weiteres großes Problem ist der zunehmende Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten. Besonders in ländlichen Regionen werden in den kommenden Jahren zahlreiche Ärztinnen und Ärzte in Pension gehen. Für viele Ordinationen findet sich jedoch kein geeigneter Nachfolger.
Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich eine Kassenordination in vielen Regionen wirtschaftlich kaum noch lohnt. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr Absolventinnen und Absolventen des Medizinstudiums für eine Tätigkeit als Wahlärztin oder Wahlarzt, da dort oftmals höhere Einkommen erzielt werden können und die Arbeitsbedingungen flexibler sind. Diese Entwicklung führt zu einer zunehmenden Zwei-Klassen-Medizin, bei der finanzielle Möglichkeiten immer stärker über den Zugang zu medizinischer Versorgung entscheiden.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, braucht es gezielte Anreize für junge Ärztinnen und Ärzte. Dazu zählen finanzielle Förderungen bei der Gründung oder Übernahme einer Kassenordination, Investitionszuschüsse, günstige Finanzierungsmöglichkeiten sowie langfristige Planungssicherheit. Besonders Ordinationen im ländlichen Raum müssen stärker unterstützt werden, damit eine wohnortnahe medizinische Versorgung dauerhaft sichergestellt werden kann.
Darüber hinaus sollte die Zahl der Wahlarztpraxen pro Bezirk begrenzt werden, während gleichzeitig attraktive Rahmenbedingungen für Kassenärztinnen und Kassenärzte geschaffen werden. Ziel muss es sein, das öffentliche Gesundheitssystem nachhaltig zu stärken und allen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen einen raschen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen.
Prävention beginnt bereits in der Schule
Gesundheitspolitik darf sich nicht nur auf die Behandlung von Krankheiten beschränken. Ebenso wichtig ist die Prävention. Ein gesunder Lebensstil kann viele Erkrankungen verhindern und trägt wesentlich zu einem langen und gesunden Leben bei.
Deshalb sollte Gesundheitsbildung bereits in der Schule einen höheren Stellenwert erhalten. Kinder und Jugendliche sollen durch regelmäßige Workshops und praxisnahe Unterrichtseinheiten lernen, wie eine ausgewogene Ernährung aussieht, warum Bewegung wichtig ist und welche positiven Auswirkungen Sport auf Körper und Psyche hat. Ebenso sollten Themen wie psychische Gesundheit, Stressbewältigung, Suchtprävention, Medienkompetenz sowie Erste Hilfe altersgerecht vermittelt werden. Wer früh lernt, Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, profitiert ein Leben lang davon.
Ausbau der Primärversorgung
Um die Gesundheitsversorgung langfristig sicherzustellen, braucht Österreich einen flächendeckenden Ausbau der Primärversorgungszentren. Diese ermöglichen eine moderne, wohnortnahe und interdisziplinäre Betreuung durch Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen sowie durch Pflegekräfte, Therapeutinnen und Therapeuten, Psychologinnen und Psychologen und weitere Gesundheitsberufe.
Zusätzlich sollen Gruppenpraxen insbesondere in der Allgemeinmedizin sowie in der Kinder- und Jugendheilkunde gezielt gefördert werden. Durch die Zusammenarbeit mehrerer Ärztinnen und Ärzte können längere Öffnungszeiten, kürzere Wartezeiten und eine bessere Vertretung bei Urlaub oder Krankheit gewährleistet werden. Gleichzeitig werden diese modernen Arbeitsmodelle für junge Medizinerinnen und Mediziner attraktiver und erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Digitalisierung und Entbürokratisierung
Neben personellen Verbesserungen braucht das österreichische Gesundheitssystem auch eine konsequente Digitalisierung. Verwaltungsaufgaben müssen vereinfacht und bürokratische Hürden abgebaut werden, damit Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben: die Betreuung ihrer Patientinnen und Patienten.
Digitale Terminvergaben, moderne elektronische Gesundheitsakten, Telemedizin sowie der sichere Austausch medizinischer Daten können Abläufe effizienter gestalten und die Versorgung insbesondere in strukturschwachen Regionen verbessern.
Unser Ziel
Unser Ziel ist ein modernes, leistungsfähiges und solidarisches Gesundheitssystem, in dem jeder Mensch unabhängig von Wohnort, Alter oder Einkommen die bestmögliche medizinische Versorgung erhält. Dazu braucht es ausreichend Pflegekräfte, eine flächendeckende hausärztliche Versorgung, eine starke öffentliche Gesundheitsversorgung, mehr Prävention und eine konsequente Modernisierung des Systems. Gesundheit darf kein Privileg sein, sondern muss für alle Menschen in Österreich gleichermaßen gewährleistet werden.